Profil

Edition Taube wird 2009 von Jonas Beuchert, Tilman Schlevogt und Jan Steinbach in Brooklyn, NY gegründet. Ihr erklärtes Ziel: das gedruckte Medium als Antimodell zum ökonomischen Zeitgeist experimentell zu erforschen und zu bewahren. Edition Taube fördert das Publizieren als künstlerische Praxis.


Heute ist das Buch aus seinem Auftrag als primäre Informationsquelle entlassen. Dadurch eröffnen sich Freiheiten, die Edition Taube nutzt, um neue Formen des Künstler*innenbuchs zu erproben: Objekt, Fetisch, Archiv oder das von ihnen propagierte «Antimedium». Somit sind in den letzten 12 Jahren über 100 Buchprojekte mit mehr als 80 internationalen Künstler*innen und Autor*innen entstanden.


In den ersten Jahren des Verlags agieren die Gründer meist als Kollektiv. Die künstlerische und theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Drucktechniken, der ökonomische Moment der Vervielfältigung und die daraus folgenden Publikationsstrategien stehen im Vordergrund ihrer Arbeit. Diese spiegeln sich in Interventionen und Ad-Hoc-Publikationen wieder. 

«Cindy Erwin Paulo Palma & Me – Itinerary» von Friedemann Heckel aus dem Jahr 2010 markiert die Schwelle von der theoretischen Reflektion im Kollektiv zu einem zunehmend kollaborativen Vorgehen. Gemeinsam mit Künstler*innen entstehen in enger Kollaboration Bücher, in denen das Buch als zwingender Träger einer künstlerischen Arbeit interpretiert wird. Dabei agieren die drei Gründer in Personalunion als Verleger, Buchgestalter und Kuratoren/Herausgeber.

Neben Kleinstauflagen, die sich an einen engen Kreis von Liebhaber*innen wenden, entstehen – mit dem Gespür für relevante Themen und verführendes Storytelling – auch auflagenstarke Publikationen. Bücher wie «The day my mother touched Robert Ryman» von Stefan Sulzer oder «Confessions of a Poor Collector» werden von einem breiten internationalen Publikum rezipiert und vielfach aufgelegt.

Der konzeptionelle Gestaltungsprozess reflektiert das Buch und dessen Produktionsweise, seinen kulturellen Kontext und gesellschaftlichen Wert. Dabei werden künstlerische Inhalte maximal verdichtet. Dies trägt seine Früchte vor allem in der Außenwahrnehmung: Unter anderem in der Auszeichnung mit dem wichtigsten europäischen Künstler*innen Buchpreis «Prix Bob Calle» oder dem Preis «Schönste Deutsche Bücher» sowie dem Deutschen Verlagspreis 2020, und dem Spitzenpreis des Deutschen Verlagspreis in 2022.

So steht Edition Taube nach zwölf Jahren vor dem Phänomen, mit beinahe anachronistisch-autonomen Produktionsweisen des Nahen (persönliche Zusammenarbeit, Handarbeit, Risographie, Hektographie und Bücher in Kleinstauflagen) eine globale Aufmerksamkeit auch in weiten Fernen (Beijing/Tokyo/New York/Los Angeles/Kapstadt) zu erreichen.


Nicht nur in der Produktion von Büchern und Editionen drückt sich das Anliegen aus, die subversive Kraft des Naiven und Intuitiven zu erforschen und zu vermitteln. Durch ein aktives Netzwerk aus Künstler*innen und Gleichgesinnten entwickelt sich in den zwölf Jahren ein internationaler Aktionsradius und ermöglicht Ausstellungen, Workshops und Kollaborationen in verschiedenen Metropolen der Welt. Zentral sind dabei die Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten und der Dialog mit Künstler*innen und Rezipient*innen. 

— Mira Sacher