Heinz Peter Knes
E.M.T. in MSP

32,00 

2021
Softcover, Chromolux Papier, 116 Seiten, Auflage 600
32 × 23.5 × 1 cm
ISBN978-3-945900-83-3
ET096

Die Rezeptionsgeschichte von E.M.T in MSP ist eher ungewöhnlich. Noch während seines Studiums Mitte der 90er Jahre beginnt Heinz Peter Knes seine jüngeren Geschwister und deren Umfeld in ihem Heimatort, dem unterfränkischen Fellen, zu fotografieren. Die Bilder finden schnell Verbreitung in verschiedensten Modemagazinen der frühen 2000er (PURPLE, Spex, 032c u. a.). Sie schienen etwas zu enthalten, auf das Redakteure aus waren: Eine Kombination aus naiver Jugend, gepaart mit einem gewissen Außenseitertum.

Über die Jahre existierte das Projekt mehr wie eine Idee oder ein Gerücht denn als wirklich realisierter Werkkörper. Benannt nach drei der jüngeren Geschwister von Heinz Peter Knes, Eva, Mirjam und Thomas und dem Autokennzeichen der Region Main Spessart schien die Komplexität von E.M.T in MSP  ein Strukturprinzip zu sein, das die Arbeit von einer allzu schnellen und einfachen Vereinnahmung bewahrte. Was Knes’ Arbeit so anziehend für Redakteure machte war die Art und Weise, wie sie etwas über den gegenwärtigen Moment erfasste: Eine unbeschreibliche Essenz von Identität; gerahmt durch eine intime Beziehung zwischen Fotograf und Subjekt. Ein Fenster zu einer Sensibilität die gerade erst im Entstehen ist.

Während die Erzählung über das Aufwachsen und Pubertieren der Geschwister das Herzstück des Werks ist, dient das Dorf Fellen im fränkischen Hügelland als Kulisse, die das Leben ihrer Protagonisten auf hartnäckige Weise prägt. Über diese beiden zentralen Themen hinaus und jenseits konzeptioneller Sauberkeit zeigt das Buch aber auch Fotografien anderer Jugendlicher, anderer Orte und verschiedene Formen von Subkultur. Sie signalisieren, dass es in E.M.T. in MSP auch um Aufbruch und Überwindung geht. Zunächst die Geschwister und das Dorf, dann Jugend an sich im Deutschland der Nachwendezeit. Knes verortet das Projekt fest in einem breiteren historischen und geografischen Kontext. Die Kinder sind nicht auf den Kontext des Ortes oder auf das das Objekt-sein beschränkt. Sie beeinflussen und werden beeinflusst — sie sind Geschöpfe und Schöpfende von Gesellschaft und Geschichte, von Familie und Staat.

 

Mit Essays von Kristin Loschert und Bartholomew Ryan